Maisons de Socialité in unmittelbarer Nähe zu früherem Maison de Santé
Der Abriss der asbestbelasteten Schule in der Monumentenstraße 2010 schafft Platz für ein neues, soziales Zentrum in Schöneberg - Die Maisons de Socialité der Treberhilfe Berlin gGmbH, die Häuser des Sozialen. Namentlich sind sie an das berühmte Maison de Santé - Haus der Gesundheit - angelehnt.
Ein Stück bewegter Schöneberger Geschichte – Maison de Santé
In der Hauptstraße 14-16, in unmittelbarer Nähe zur jetzigen Geschäftsstelle der Treberhilfe Berlin, stand im 19. Jahrhundert der „Gasthof zum Helm“. Nach seiner Heirat mit der ältesten Tochter des Wirtshauses gründete Eduard Levinstein dort 1861 eine Kur- und Badeanstalt. Aus ihr wurde im Jahre 1863 das Maison de Santé, eine medizinische Kur- und Badeanstalt.
Soziale Innovation im Maison de Santé - Geisteskranke werden als Kranke anerkannt
1866 wurden in dem Maison de Santé Grundzüge von freier Wohlfahrtspflege verwirklicht. Ab diesem Zeitpunkt wurden dort erstmals psychisch Kranke behandelt und eine Abteilung für „Nerven- und Gemüthskranke“ eingerichtet. Sozial innovativ war die Anerkennung von „Irren“ als Geisteskranke und somit als Teil der Gesellschaft, der nicht Verwahrung sondern Behandlung verdiente. Levinstein schaffte zusammen mit seinem Mentor Wilhelm Griesinger neue Maßstäbe in der Psychiatrie. Der reformerische Ansatz in der Behandlung und Pflege war das System der freien Behandlung mittels Medikation, Ruhigstellung, Beschäftigung und Diätetik. Neben wohlhabenden Patienten wurden auch Patienten der städtischen „Irrenversorgung“ behandelt.
Die Geschichte des Maison de Santé , zuletzt „Städtische Heil- und Pflegeanstalt Schöneberg“ endete 1919 durch den Verkauf an den Magistrat der Stadt Berlin-Schöneberg. Danach folgten Jahrzehnte unterschiedlicher Nutzung. Ein Teil des Maison de Santé, die ehemalige Herrenbeobachtungsstation, steht heute unter Denkmalschutz. Die verbleibenden Gebäudeteile werden als Wohnraum genutzt.
Maisons de Socialité – Häuser des Sozialen in der Monumentenstraße 13 a/b
Den Gedanken der sozialen Innovation greift die Treberhilfe Berlin in nur 700 m Entfernung in der Monumentenstraße auf und transportiert diesen mit ihrem mittlerweile vierten Investorenprojekt in die Gegenwart. Soziale Herausforderungen dort annehmen, wo sie auftreten, gesellschaftliche Kluften abbauen und zu einem lebendigen Kiez beitragen, in dem sich alle BewohnerInnen zuhause fühlen, dass ist der Anspruch der Maisons de Socialité – der Häuser des Sozialen.
Die Häuser des Sozialen sollen allen Menschen die Möglichkeit von Begegnung, Beteiligung und Bildung geben. Insbesondere Menschen in Notlagen sollen hier Beratung, Hilfe und Zuflucht finden.
Entwicklungs- und Nutzungsplanung
Bis Ende 2011 sind in mehreren Bauabschnitten geplant:
bis August 2010: Asbestentsorgung und Abriss
bis April 2010: Projekt „Infomeile Maison de Socialité“
Ende August 2010: Grundsteinlegung für Neubauten
bis Frühjahr 2011: Errichtung Jugend- und Familienzentrum
bis Sommer 2011: Errichtung Jugendhilfezentrum und neue Zentrale der Treberhilfe Berlin
evt. bis 2012 (Umsetzung offen): Errichtung eines Wohnheims für Menschen
in Wohnungsnot
evt. bis 2012 (Umsetzung offen): Errichtung einer
Schule für junge Menschen in Jugendhilfe.
Entwurf: Büro hmp mbH
Das Jugend- und Familienzentrum wird im ersten Bauabschnitt bis Frühjahr 2011 realisiert und richtet sich hauptsächlich an die BewohnerInnen der „Insel“, des Schöneberger Nordens sowie des Schöneberger Südens bis zur Dominicusstraße und bis zum Innsbrucker Platz.
Der kompetente Träger dieses Zentrums wird der Stadtteilverein Schöneberg e.V. sein, der derzeit bereits an verschiedenen Standorten im Bezirk Schöneberg Nachbarschaftseinrichtungen unterhält. Der Verein verfügt über 30 Jahre Erfahrung im Sozialraum Tempelhof-Schöneberg.
Alle Generationen sind eingeladen, die offenen Angebote zu nutzen. Diese werden insbesondere umfassen:
• Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche;
• Schularbeitshilfe, Prüfungsvorbereitung;
• Nutzung neuer Medien und der Handbibliothek;
• Bildungsangebote (z.B. Deutsch als Zweitsprache, Alphabetisierung, EDV, Medienprojekte);
• Angebote der Familienbildung;
• Angebote im Gesundheitsbereich (z.B. Entspannung und Ernährung);
• kreative und soziokulturelle Angebote;
• Angebote in den Bereichen Sport, Bewegung, Tanz, Theater, Musik;
• Gruppenangebote für Jungen und Mädchen, Eltern und Alleinerziehende, Arbeitslose, SeniorInnen, Menschen mit Behinderungen etc.;
• generationsübergreifende Aktionsangebote;
• Sozialberatung, Rechtsberatung, Mieterberatung;
• Hilfe bei der Arbeits- oder Wohnungssuche;
• Hilfe bei der schulischen oder beruflichen Orientierung;
• Beratung für Kinder und Jugendliche;
• Beschäftigungsprojekte für Jugendliche und Erwachsene im Verbund mit Bildungsangeboten zum (Wieder-) Einstieg in das Arbeitsleben.
Zudem erfolgt eine enge Verknüpfung des Zentrums mit dem geplanten neuen öffentlichen Spielplatz nördlich der Geßlerstraße: der Stadtteilverein hat bereits im Betrieb des „Halk Kösesi“ in der Crellestraße sehr gute Erfahrungen mit der Betreuung öffentlicher Spielplätze gemacht.
Das Jugendhilfezentrum wird bis Mitte 2011 erbaut und unterstützt sowohl Jugendliche und Erwachsene als auch alleinerziehende Eltern und Familien bei der Entwicklung einer selbständigen und eigenverantwortlichen Lebensführung.
Das abgestufte Hilfesystem wird in drei eigenständigen Einrichtungen umgesetzt,
die sich optimal ergänzen:
• Kriseneinrichtung für Minderjährige,
• Kriseneinrichtung für junge Volljährige,
• Wohnprojekt mit differenzierten Betreuten Einzelwohnformen für Jugendliche, für Mütter/Väter und Kinder sowie Erwachsene.
Die Kriseneinrichtung für Minderjährige wird 12 Plätze umfassen. Die Treberhilfe
Berlin gGmbH ermöglicht hier für 13- bis 17-Jährige, die kurzfristig nicht mehr in ihren Familien leben können, eine Betreuung innerhalb ihres Sozialraumes und dicht an ihren Herkunftsfamilien. Die jungen Menschen werden rund um die Uhr von qualifizierten Fachkräften betreut.
Das Treberhaus Schönberg in der Kolonnenstraße in Schöneberg ist bereits Anlaufpunkt für gestrandete junge Erwachsene, die ihr Leben wieder in den Griff bekommen wollen. Diese Kriseneinrichtung für junge Volljährige wird im Zuge der Neuerrichtung in die Monumentenstraße umziehen. Am neuen Standort werden 24 Plätze in Ein- und Zweibettzimmern geschaffen. Auch hier ist eine enge und 24-stündige Betreuung durch qualifiziertes Fachpersonal gewährleistet.
Die Treberhilfe Berlin gGmbH investiert durch die beiden Kriseneinrichtungen in den bisherigen Sozialraum der Betroffenen und schafft somit neue soziale Infrastrukturen.
Das gegenwärtige Wohnprojekt Schöneberg in der Leberstraße wird ebenfalls in das Jugendhilfezentrum umziehen. Das Wohnprojekt wird den KlientInnen für Beratungsgespräche und Gruppenaktivitäten zur Verfügung stehen. Die direkte Nachbarschaft zum Treberhaus Schöneberg bleibt erhalten und ermöglicht so eine reibungslose Vermittlung der Klienten in das Wohnprojekt.
Darüber hinaus wird die Treberhilfe Berlin auf dem Gelände eine neue Zentrale errichten. Das neue Verwaltungsgebäude stützt die Schaffung neuer sozialer Infrastrukturen und bündelt die Ressourcen des sozialen Zentrums. Platz wird für die drei Serviceeinheiten der Treberhilfe Berlin sein:
• Verwaltung
• Haustechnik
• Informationstechnik.
Weitere Nutzungsoptionen - Umsetzung offen
Um die derzeitige Unterbringungsqualität für Obdachlose deutlich zu verbessern, beabsichtigt die Treberhilfe Berlin in enger Abstimmung mit den Fachausschüssen der BVV und der zuständigen Fachverwaltung des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg den Bau eines Wohnungslosenheims.
Sozialpolitisches Ziel ist es, mit dieser Einrichtung einen Beitrag zur Erhöhung des Anteils an sozialpädagogisch betreuten Wohnheimen gemeinnütziger Träger gegenüber den unbetreuten Unterkünften gewerblicher Betreiber zu leisten.
Im Falle der Umsetzung des Wohnungslosenheims soll die Unterbringung von Wohnungslosen und ihre Betreuung gemäß dem Obdachlosenrahmenplan von Berlin auf geeignete Weise ausgebaut werden.
Der Bau einer Schule für die Beschulung von jungen Menschen in Jugendhilfemaßnahmen ist ebenfalls Teil unseres sozialplanerischen Gesamtkonzeptes. Diese Nutzungsoption befindet sich derzeit in einem sehr frühen Stadium der Planung.
Schülern der Klassen 7 bis 10, die eine besondere Beschulung benötigen, soll diese in ihrem näheren Umfeld ermöglicht werden. Die Vision ist, dass alle Beteiligten der Jugendhilfe Hand in Hand und mit der Schule vernetzt arbeiten, um den jungen Menschen eine umfassende Schulbildung und eine gesellschaftliche Reintegration zu ermöglichen. Die Trägerschaft der Schule würde an einen öffentlichen oder privaten Schulträger vergeben werden.
Die Treberhilfe Berlin gGmbH freut sich auf eine spannende Zeit der Veränderung in der Monumentenstraße – Für einen neuen belebten Kiez in Berlin-Schöneberg.